Ich gestehe

Und beinahe hätte ich das Wichtigste verloren: Das Vertrauen meines Hundes.


Heute widme ich einen Bericht aus meiner eigenen Erfahrung als Hundehalterin.
Immer wieder sehe ich, wie mit viel Druck, Gewalt und Leinenrucks in der Hundeausbildung gearbeitet wird. Wenn ich dann versuche, einzugreifen und darüber aufzuklären, wird mir vorgeworfen, keine Ahnung davon zu haben, was es heißt, einen „wirklich aggressiven“ Hund zu halten. Ich bekomme Antworten wie: „Das braucht der! Sonst lernt er das ja nie!“ oder „Wir richten seit 10 Jahren ab – wir wissen, was wir tun!“

Zumal finde ich es wirklich traurig, dass man rein anhand der Zeit der Ausbildung auf eine adäquate Trainingsmethode schließt.
Ja, auch ich habe vor vielen Jahren an die „Hauruck“- Methoden geglaubt. In dem Glauben, das sei richtig. Früher hat man eben kein Wort über Clickertraining oder Belohnung gesprochen – denn Leinenruck und Co war ja damals alles einfach „normal“.

Mein Hund hatte von Natur aus schon kein einfaches Temperament. Ironischerweise gab ich ihm auch den Namen „Rambo“ am ersten Tag, an dem er bei mir war. Und durch diese Methoden kam ich irgendwann an einem Punkt, an dem ich wahrscheinlich nach allem gegriffen hätte, um das Bellen und die Aggressionen stoppen zu können. Es wurde nicht besser – sondern immer schlimmer. In der Ortschaft kannte uns schon jeder und sie nannten uns „die Kleffer“.

Mein Bauchgefühl sagte mir: Es ist falsch, einen Hund so zu behandeln! Und so begann ich, mich weiter umzusehen. Unser Glück war, an eine Hundeschule zu kommen, welche mit positiver Verstärkung arbeitete – die Hundeschule Hürm!

Es verging eine lange Zeit, damit ich MICH unter Kontrolle bringen konnte. Kein „NEIN!“, weil ich schon wieder frustriert war. Kein Schimpfen, weil es dazwischen wieder einmal Aggressionen an der Leine gab. Ich musste lernen, meinen Hund zu bestätigen. Meinen Hund richtig (!) und vor allem zeitgerecht (!) zu bestätigen. Es war für mich notwendig, Situationen vorauszusehen und brenzligen Situationen einfach auszuweichen (und nicht „da muss er jetzt durch“). Ich musste die Sprache meines Hundes lernen, um ihn besser verstehen zu können. Für meinen Hund war es wichtig, ein Alternativverhalten anstatt der Aggressionen beizubringen. Ich musste sehr viel an meiner Selbstdisziplin arbeiten, um nicht wieder selbst in mein altes Verhalten hinein zu schlüpfen. Die selbst induzierten Defizite werde ich wahrscheinlich nie komplett wieder ausbügeln können. Doch auch das Akzeptieren von kleinen Rückschlägen habe ich gelernt.

Vielleicht bin ich genau aus diesem Grund, weil ich es selbst erfahren habe, so vehement gegen aversive Trainingsmethoden und kann sie kein einziges Mal mitansehen, ohne einzugreifen. Doch ich gebe niemals auf.

Ich habe viele Seminare und Workshops besucht, viel Fachliteratur gelesen, viele Weiter- und Ausbildungen gemacht und natürlich viel geübt. Es war ein langer Weg aber dieser machte es möglich, gemeinsam dort zu stehen, wo wir heute sind! Gemeinsam haben wir es geschafft, ein harmonisches Team zu werden, was sich gegenseitig blind vertraut! Und heute ist er nicht „nur“ mein Hund – er ist mein Lehrer. Mein Seelenverwandter. Er zeigte mir von Anfang an den richtigen Weg – heute gehen wir diesen Weg gemeinsam.

Mag.a Doris HochenhauserIch gestehe

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