Irenes Blog – Hunde aus dem Tierschutz – Welche Probleme gibt es

Grundsätzlich ist der Entschluss, sich einen Hund aus einer Tierschutz Einrichtung, anzuschaffen, sehr löblich. Ich freue mich jedesmal, wenn jemand einem Tierschutzhund eine zweite Chance auf ein neues Glück gibt. Man muss sich aber klarmachen, dass solche Tierschutzhunde bereits negative Erfahrungen hinter sich haben. Wie tragisch die Vorgeschichte dieser Hunde ist, lässt sich zwar kaum noch herausfinden. Wichtig ist aber, dass man sich dessen bewusst ist und sich selbst fragt: Habe ich genug Zeit und die Geduld? Bin ich gewillt, eine eventuell länger andauernde Ausbildungszeit in Kauf zu nehmen?

 

 

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Online Einzeltraining vom ersten Tag an – Auch für junge oder erwachsene Hunde
Angeleitet von der Cheftrainerin der Hundeschule Hürm –
Irene Höld

 

Hunde aus dem Tierschutz haben oftmals Trennungsängste

Hunde aus dem Tierschutz haben womöglich stärkere Trennungsängste, d.h. sie können nicht gut allein sein. Von den Welpen sind wahrscheinlich nicht wenige zu früh von der Mutter weggekommen. Viele von ihnen bellen alles an, was sich bewegt, sind misstrauisch Menschen gegenüber, oder fürchten sich vor ihresgleichen.

So einen Hund sollte man anfangs keiner Reizüberflutung aussetzen – d.h. nicht sofort in die lärmerfüllte Stadt spazieren oder ins vollbesetzte Kaffeehaus mitnehmen – und schon gar nicht sollte man versuchen, ihn gleich zu Beginn an den Umgang mit anderen fremden Menschen (gleichzeitig) zu gewöhnen.

Ein gutes Beispiel dafür ist Astrid. Vor zwei Jahren hatte sie sich einen mittelgroßen Mischling aus einer Tötungsstation in Rumänien geholt. Gordon, so nannte sie ihn, hatte wirklich vor allem und jedem Angst. Ließ sie ihn in den Garten, drückte er sich an der Hausmauer entlang. Frei zu laufen, eine Umgebung erkunden, spielen – all das kannte er nicht nicht.

Bei jedem Hund, wie auch bei Gordon, entwickelt sich kurzfristig negativer Stress und es dauert gut 7 Stunden, bis er die dabei ausgeschütteten Stresshormone wieder abgebaut hat. Wenn man bedenkt, dass ein Hund aus dem Tierschutz in seiner früheren Umgebung bereits permanent gestresst war und sich dann auch noch an eine neue Umgebung gewöhnen muss, dauert es schon mehrere Wochen, bis er seinen Stress abgebaut hat und Vertrauen fassen kann.

Wie also nimmt man dem neuen Hund aus dem Tierschutz die Angst?

Vor allem braucht der Hund Ruhe. Auf keinen Fall darf er mit zu vielen Reizen überflutet werden. In den ersten Tagen sollte man daher keinen Besuch empfangen, damit er sich erst einmal an seine Bezugsperson gewöhnen kann. Diese Regel gilt übrigens auch für Welpen vom Züchter. Man sollte also mit dem Hund in der ersten Zeit zu Hause bleiben oder Gassi gehen.

Wichtig zu wissen ist nämlich, dass der Hund den Stress nie dort zeigt, wo er ihn gerade hat, sondern erst später, in einer ruhigeren Situation. Das ist ja bei Menschen auch nicht selten: Man hat Stress im Job, aber man funktioniert und hat sich unter Kontrolle. Sobald man aber nach Hause kommt und der Partner sagt irgendein falsches Wort, rastet man aus.

Und beim Hund wundern wir uns, wenn er aus heiterem Himmel andere Tiere anknurrt oder auf einen Menschen losgeht. Dann heißt es – der Hund sei aggressiv, und das auch noch ohne jeden Grund. In Wahrheit aber versucht er nur den Stress abzubauen, dem man ihm zuvor ausgesetzt hat. (Noch) fremde Menschen sollten einen verunsicherten bzw. ängstlichen Hund daher auch nicht mit Leckerlis in der Hand anlocken, so dass er gezwungen ist, sich zu nähern. Um das Vertrauen des Hundes langsam, aber sicher zu gewinnen, ist es besser, ihm ein paar Leckerlis hinzuwerfen.

In der Hundepsychologie gibt es eine Übung, die man anwenden kann, sobald der erste Kontakt mit dem neuen Hund zustandekommt, damit er seine neue Bezugsperson von Anfang an positiv wahrnimmt. Es handelt sich dabei um

Clicker-Training

Dadurch, dass nach dem Click unmittelbar etwas Positives folgt (z.B. ein Leckerli), werden im Gehirn des Hundes Glückshormone (Serotonin) ausgeschüttet:

Zunächst ist es wichtig, mit dem Training im eigenen Haus zu beginnen und dafür zu sorgen, dass der Hund nicht abgelenkt werden kann. Dann nimmt man den Clicker in die eine und eine Schlecktube in die andere Hand, ruft den Namen des Hundes, betätigt den Clicker und bietet die Belohnung an – kurz gefasst:

Name – Click – Futter (Leckerli, Schlecktube)

Nicht erst auf die Reaktion des Hundes warten, sondern die Übung in einem Zug durchführen! Das Ganze wird solange durchgespielt, bis der Hund darauf anspricht. Schließlich wird die Übung nach draußen verlagert, wobei der Mensch darauf achten muss, seinen Hund langsam und vorsichtig an immer mehr Reize heranzuführen. Ich rate daher jedem Hundebesitzer, das Clicker-Training immer als Erstes durchzuführen, sobald sein Hund in eine neue Umgebung kommt oder mit Reizen konfrontiert wird, die er noch nicht kennt.


Ich kann dir dieses Clicker Starterset sehr empfehlen. Es wurde von mir speziell für die Anfänge des Clicker-Trainings entwickelt.

Nehmen wir zum Beispiel einen Hund, der sich vor bellenden Hunden hinter Gartenzäumen fürchtet. Was tun? Viele Hundebesitzer machen den Fehler, wiederholt an einem solchen Zaun vorbeizugehen und darauf zu vertrauen, dass sich ihr Hund „schon irgendwann“ an die Situation gewöhnen wird. Das tut er zwar – irgendwann – aber ohne seine negativen Empfindungen ins Positive zu umwandeln zu können.

Besser ist es daher, mit dem Hund die Straßenseite zu wechseln und die Übung durchzuführen – und zwar bevor der gefürchtete Gartenzaun ins Blickfeld des Hundes gerät und negative Emotionen in ihm auslöst. Dann besteht zumindest die Chance, dass der Hund die Angst gänzlich verliert. Wahrscheinlich wird es nicht sofort funktionieren. Darum ist es notwendig, die Übung so oft wie möglich zu wiederholen.

Als Übungsleckerli verwende ich – wie bereits erwähnt – Schlecktuben. Die Tuben enthalten eine wohlschmeckende Paste, von der man eine kleine Portion direkt auf die Hand drückt. Durch das Schlecken baut der Hund Stress ab. Auch darf man nicht vergessen, dass gestresste Hunde oft nicht  fressen wollen oder können. Daher ist das Ablecken der Paste für den Hund eine gute Alternative, um zu seiner Belohnung zu kommen.

Übermäßiges Bellen

Bei Astrids Hund, Gordon, funktionierte die Clicker-Methode von Anfang an sehr gut. Das nächste Problem, das wir angehen mussten, war sein übertriebenes Gebell: Gordon bellte alles an, was sich bewegte. Vor allem an der Haustür kannte er kein Halten, wenn es darum ging, „seine“ Besucher zu begrüßen. Auf uns Menschen wirkt so ein Verhalten freundlich und aufgeschlossen. Für den Hund aber bedeutet es Aufregung, weil er sich durch das Begrüßen in einen Erregungszustand versetzt, der ihm letztlich nicht gut tut. Meistens wird das Tier von „seinem“ Besuch für seine Aufgeregtheit auch noch gelobt – und genau da liegt das Problem. Sobald ich meinen Hund lobe, prägt sich das bei ihm ein. Er denkt dann: „So will sie mich haben.“

Sehr oft neigen überdrehte Hunde – vor allem Welpen, die von Natur aus noch keine Beißhemmung haben – zum „Zwicken“. Und dann muss natürlich ein deutliches Nein etabliert werden, was aber nicht heißt, dass dieses Nein die Kommunikation mit dem Hund dominieren soll.

Bei Hunden wie Gordon, die bei jedem Geräusch zur Tür rennen und bellen, empfiehlt sich das so genannte Deckentraining: Man bringt dem Hund bei, sich, sobald es klingelt, auf seine Decke zu legen und ruhig zu bleiben. Bis er das gelernt hat, wirft man ein paar Leckerlis in die andere Richtung, damit er mit dem Suchen beschäftigt ist oder man ignoriert ihn ganz einfach an der Tür.

Schlafen

Als Hundehalter muss man wissen, dass erwachsene Hunde um die sechzehn Stunden Schlaf pro Tag brauchen – Welpen sogar mindestens zwanzig! Der Mensch muss also dafür sorgen, dass sein Hund die benötigten Ruhezeiten auch einhalten kann. In diesen Stunden darf nicht gespielt, gefüttert oder gestreichelt werden. Manchmal empfiehlt sich auch eine Hundebox, wenn der Hund sonst nirgends zur Ruhe kommen kann. Natürlich muss er auf positive Weise, z.B. mit Hilfe von Leckerlis, daran gewöhnt werden – er soll sich nicht eingesperrt fühlen.

Spiel und Spaß

Ein weiteres wichtiges Thema für die erste Zeit ist das Spielen. Ein Hund muss, außerhalb seiner Ruhezeiten, beschäftigt werden. Allerdings sollte der Mensch derjenige sein, der das Spiel kontrolliert, und nicht der Hund. Grundsätzlich sollte daher kein Spielzeug zur freien Verfügung herumliegen. Insbesondere Hunden aus dem Tierschutz sollte man niemals Beutespiele anbieten, weil sie davon nicht nur in einen Stresszustand versetzt werden, sondern auch ihrem Jagdtrieb jederzeit und überall nachgeben. Jedesmal, wenn ein Tier – oder auch ein Kind – zu laufen beginnt, jagt er hinterher, weil sein Mensch ihm das genauso beigebracht hat.

In der Hundeschule arbeiten wir mit Reizangeln. Der Hund darf dem an einer Schnur befestigten Spielzeug nachsausen und kommt so auf seine Kosten. Vom Kommando PLATZ weg, darf er auf das Kommando FREI wieder losrennen. Es handelt sich dabei um ein kontrolliertes Spiel, das ich beginne und auch beende. Bälle zu werfen hat nur dann Sinn, wenn sie der Hund auch wieder zurückbringt. Andernfalls entsteht erst recht wieder eine Art Jagdspiel, das man ja vermeiden soll. Ein weiterer Nachteil am Bällewerfen ist, dass der Hund das Spiel nach ein paar Würfen abbrechen kann, und dann bin nicht mehr ich diejenige, die den Ton angibt.

Martin Rütter hatte dazu in einer seiner Shows einen guten Tipp parat: Kleb dir zwei Zettel an den Kühlschrank – auf dem linken Zettel machst du jedesmal einen Strich, wenn der Hund macht, was du willst, auf dem rechten machst du einen Strich, sobald du machst, was der Hund will. Sind am Ende Tages auf dem rechten Zettel mehr Striche zu sehen, tja, dann, überleg dir mal was….

Nicht nur für Hunde vom Tierschutz gilt die Regel: in der ersten Zeit niemals frei laufen lassen. Jeder Hund, der den Rückruf noch nicht beherrscht, muss an der Leine gehalten werden.

Was vielen Hundehaltern auch nicht klar ist – Hunde geraten geraten schnell unter Druck, wenn sie auf andere Hunde losgelassen werden. Sie neigen dann meistens dazu, einander zu mobben. In vielen Welpenkursen ist es leider immer noch gang und gäbe, alle Hunde gemeinsam in ein abgegrenztes Areal zu verfrachten, damit sie miteinander spielen können. Die Trainer meinen dann – „die machen sich das eh untereinander aus“. Diese Ansicht ist schon deshalb falsch, weil Hunde die einander nicht kennen, kein Rudel, sondern eher so etwas wie eine Meute bilden und daher permanent „am Ausmachen“ sind. Ideal ist es, wenn ein Hund einen oder zwei Freunde hat. Aber dann muss das Spiel ausgeglichen sein. Niemals darf einer nur der Gejagte und der andere ausschließlich der Starke sein.

Wenn man selbst zwei oder drei Hunde hat, bildet sich ohnehin eine Art Hierarchie, die für alle passt. Zwei gleichgeschlechtliche Hunde können eventuell zu einem Problem werden, zwischen Rüden und Hündinnen klappt es meistens gut.

Auch wenn Tierschutzhunde anfangs vielleicht nicht so einfach in der Haltung sind, so geben sie einem doch sehr viel zurück und werden zu lebenslangen und treuen Begleitern.

Jetzt bleibt mir nur noch, euch gutes Gelingen und viel Spaß mit eurem vierbeinigen Freund zu wünschen!

Im nächsten Blog behandeln wir das Thema: „Ein Welpe kommt ins Haus“.

Diese Beitrag habe ich gemeinsam mit der unglaublich talentierten Corinna A. Bergmann – Redakteurin und Autorin geschrieben.

Eure Irene Höld – Hundetrainerin der Hundeschule Hürm

 

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