Hilfsmittel im Hundetraining und ihre Nebenwirkungen – Teil 1

Am Markt findet man unzählige Ausrüstungsgegenstände, welche als „Hilfe“ für das Training mit einem Hund verkauft werden. Doch welche davon machen wirklich Sinn? Welche sind empfehlenswert? Wenn ja, wie wende ich sie richtig an? Welche davon sind tierschutzwidrig? Hier findest du die Antworten auf diese und weitere Fragen.

Dieser dreiteilige Artikel soll dir dabei helfen, eine Übersicht sowie das notwendige Hintergrundwissen über einige Hilfsmittel und deren Auswirkungen in der Hundeerziehung zu erhalten. Allgemein kann man alle Gegenstände in zwei Kategorien einordnen: Zum einen gibt es motivierende Hilfsmittel, welche auf dem Belohnungsprinzip basieren und lediglich eine Hilfestellung für den Hundehalter bieten und es gibt diejenigen, welche auf das Korrigieren von Fehlern und auf das Setzen von Strafreizen ausgerichtet sind.

Hier findest du den ersten Teil einer Auflistung von möglichen Hilfsmitteln mit einer kurzen Beschreibung, welchen Zweck das besagte Hilfsmittel hat, wie es normalerweise angewendet wird und welche Nebenwirkungen ein derartiger Gegenstand haben kann. Beginnen wir mit den Hilfsmitteln, welche auf das Korrigieren von Fehlern ausgerichtet sind:

Würgehalsband, Schweizer Band oder Reepschnur

Ein Würgehalsband ist ein Halsband, welches sich zusammenzieht, wenn der Hund an der Leine zieht. Bei kräftigem Ziehen wird der Kehlkopf, die Luftröhre und alle am Hals befindlichen Weichteile eingeschnürt. Dies ist für den Hund sehr unangenehm bis schmerzhaft. Eine „Steigerungsstufe“ sind Halsbänder, welche aus Kettengliedern bestehen. Diese üben einen noch stärkeren Druck und Reiz auf den Halsbereich aus. Zusätzlich wird die Haut zwischen den Gliedern eingezwickt. Wenn der nicht mehr an der Leine zieht, weitet sich das Halsband wieder aus und entspannt sich.

Beim Schweizer Band oder auch „Reepschnur“ genannt wird ein dünnes Band knapp hinter dem Ohr um den Hals geführt und übt bei Zug Druck und Schmerzen auf die Ohrspeicheldrüse aus.

Die Nebenwirkungen:

Der Zweck dieser Hilfsmittel soll sein, dass der Hund nicht zieht. Ein Hund lernt jedoch dadurch nicht, dass er nicht ziehen soll. Er lernt, dass gewisse Reize für ihn Schmerzen bedeuten und somit negativ sind. Er verbindet bei jedem Zug den Schmerz beispielsweise mit dem anderen Hund, der ihn gerade begegnet. Manche Hunde versuchen darauffolgend aus Angst davor, wieder mit Schmerzen bestraft zu werden, den Reiz (also den anderen Hund) und den damit einhergehenden Schmerz zu vermeiden. Was er jedoch nicht gelernt hat ist, wie er sich stattdessen verhalten soll. Derartige Methoden sind moralisch nicht vertretbar und somit tierschutzwidrig.

Fazit: nicht verwenden!

Disc-Scheiben, Rütteldosen, Wurfketten 

Diese drei Hilfsmittel sind leider sehr gängig und über übliche Tierfachhandlungen zu bekommen. Alle drei sollen dem Hund, der beispielsweise einen anderen Hund entweder fixiert oder vielleicht schon völlig an der Leine durchdreht und etwas anbellt, dazu bringen, aus seinem aggressiven Zustand wieder herauszukommen, indem man das Hilfsmittel auf Distanz Richtung Hund wirft und ihn schreckt. Diese Hilfsmittel dienen somit als Schreckreiz. Man will das Bellen unterbinden und damit den Fehler im Verhalten des Hundes korrigieren. Verkäufer derartiger Hilfsmittel sind der Meinung, dass man den Hund „da wieder herausholt“ und dem Hund „ja eh keine Schmerzen zufügt“.

Die Nebenwirkungen:

Studien belegen zwar, dass ein Schreckreiz kurzfristig zwar zu Erfolgen führt, auf lange Sicht jedoch wenig hält, was er verspricht. Der Hund lernt durch das Aufbauen von Verknüpfungen. So kann es passieren, dass sich der Hund bei der ersten Anwendung einer Wurfkette wirklich schreckt, die Aufmerksamkeit auf die Wurfkette und dessen Lärm richtet und kurzzeitig das Bellen unterbricht, da er zugleich verwirrt ist. Dies ist der erste scheinbare Erfolg für den Hundehalter. Doch auch hier gilt der Merksatz, dass man dem Hund damit nicht gezeigt hat, wie er sich stattdessen verhalten soll. Man unterbindet lediglich kurzfristig das Fixieren oder Bellen.

Nach mehrmaligen Anwendungen kann es nun entweder dazu kommen, dass der Hund eine Erwartungshaltung aufgebaut hat und schon mit dem Schreckreiz rechnet und ihn dieser somit gar nicht mehr wirklich schreckt. Somit führt dieses Geräusch für den Hund zu nichts. In Folge ignoriert er es oder er bellt danach einfach weiter. Ein zweiter möglicher Ausgang ist, dass der Hund den Schreck und die Angst vor dem erneuten Schreck mit dem anderen Hund verbindet und diesen zukünftig als noch negativer empfindet, als er schon vorher war. Das Endergebnis ist oftmals, dass das Gebell und die Rage, in die der Hund gerät, sich noch weiter verstärkt und noch extremer wird.

Es ist erwiesen, dass Hunde, welche derartige Erfahrungen gemacht haben, in Folge allgemein sehr überempfindlich auf Geräusche im Alltag reagieren und nur sehr geringe Lärmpegel ertragen. Dies passiert, weil sie dieses Geräusch auf andere Situationen verallgemeinern. Beispielsweise kann der Hund auf das Scheppern eines normalen Schlüssels extrem ängstlich oder aggressiv reagieren, da es sich sehr ähnlich anhört – dieses verbindet der Hund wieder mit der momentanen Situation, in der er sich gerade befindet. Das kann schnell zu falschen oder unerwünschten Lerneffekten führen. Es mag keine körperlichen Schmerzen verursachen, die psychische Belastung sollte aber somit nicht unterschätzt werden. Darüber hinaus besteht ebenso die Gefahr, den Hund zu treffen bzw. zu verletzen.

Fazit: sehr bedenklich!

Sprühhalsband, Wasserflaschen

Diese Hilfsmittel sind ebenso dazu gedacht, das Bellen zu unterbinden. Der „Zusatzeffekt“ ist, dass der Hund mit Flüssigkeit besprüht und angeschüttet wird. Oftmals werden Sprühhalsbänder oder Wasserflaschen verwendet, welche entweder Wasser oder andere Flüssigkeiten wie verdünnte Zitronensäure enthalten. Die Halsbänder werden entweder mit einer Fernbedienung bedient oder reagieren automatisch auf das Bellen des Hundes. Bei den Wasserflaschen wird die enthaltene Flüssigkeit über den Kopf des Hundes in dem Moment, in dem er bellt, geleert.

Die Nebenwirkungen:

Die Lerngesetze gelten wie bei anderen Schreckreizen – wenn er nicht bellen und ziehen soll, sollte man sich die Frage stellen, wie sich der Hund stattdessen verhalten soll. Auch hier sollte an der Ursache angesetzt und dem Hund gezeigt werden, wie er sich alternativ zu verhalten hat anstatt dass der Fehler, das Symptom, behandelt und gestoppt wird. Eine weiterer Nebeneffekt ist, dass die Hunde auch hier Angstverknüpfungen aufbauen, da sie wieder die Situation mit dem negativen Reiz verbinden. Darüber hinaus können bei Flüssigkeiten wie verdünnter Zitronensäure Reizungen oder sogar Verätzungen der Augen auftreten.

Fazit: sehr bedenklich!

Mag.a Doris HochenhauserHilfsmittel im Hundetraining und ihre Nebenwirkungen – Teil 1

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