BRUSTGESCHIRR vs. WÜRGEHALSBAND

Warum das Brustgeschirr dem Würgehalsband meilenweit voraus ist.
Leider sehen wir es immer wieder: Die Verwendung eines Würgehalsbands. Doch warum wenden es so viele Hundehalter an? Hier werden die häufigsten Behauptungen den Argumenten an Tatsachen gegenübergestellt.

Behauptung 1: „Ein Würgehalsband fügt dem Hund doch eh keine Schmerzen zu.“
Festzuhalten ist, dass ein Würgehalsband sogar schwere gesundheitliche Schäden und starke Schmerzen auslösen kann. Der Sinn eines Würgehalsbands ist es, beim Zuziehen der Leine den Hund auch zu würgen. Dabei wird die Luftröhre vom Hund zugeschnürt. Der Hund bekommt somit keine oder nur schwer Luft. Schon dieses Argument sollte jemanden davon überzeugen, dass ein derartiges Mittel für den Hund gesundheitsschädlich ist. Dazu kommt dann noch der Druck und die Zugkraft vom Ziehen des Hundes oder vom Leinenruck des Hundehalters. Diese Kräfte wirken auf wenige Quadratzentimeter des Halses. Hier besteht das Risiko, dass es zu Quetschungen des Kehlkopfes kommt. Schilddrüse und wichtige Blutgefäße sind ebenso davon betroffen. Sollte es noch dazu ein Ketten-Würgehalsband sein, wird beim Zuziehen zusätzlich die Haut zwischen den Kettengliedern eingezwickt. Wer es nicht glaubt – einfach einen Selbstversuch starten. Diese Argumente unterstreichen die Tatsache, dass ein Würgehalsband dem Hund auf jeden Fall Schmerzen zufügt, folgedessen ein aversives Trainingsmittel und somit tierschutzrelevant ist!

Behauptung 2: „Der Hund lernt durch das Würgehalsband, dass er nicht ziehen soll.“
Wichtig hierbei ist zu wissen, dass der Hund durch das aufbauen von Verknüpfungen im Gehirn lernt. Ein klassisches Beispiel: Wenn ich einem Hund ein Würgehalsband anlege, er sich bei einer Hundebegegnung in die Leine schmeißt (gerade bei jungen Hunden, die stürmisch die Welt erkunden möchten) und ich vielleicht auch noch kräftig an der Leine zurückziehe, füge ich dem Hund, wie oben schon erklärt, starke Schmerzen zu. Wenn diese zum Beispiel stets bei Begegnungen mit Artgenossen auftreten, verknüpft der Hund automatisch die Schmerzen mit dem anderen Hund. Dies ist eine ganz natürliche und biologische Reaktion, die man mit dieser Vorgehensweise nicht aufhalten oder umgehen kann! Der Hund lernt somit nicht, dass er nicht ziehen soll. Was er lernt ist, dass sobald er einen Hund sieht, gleich darauf Schmerzen folgen werden. Die Entstehung von Leinenaggression, je nachdem um welche Reize es sich handelt, ist dadurch schon vorprogrammiert.

Behauptung 3: „Einen großen Hund hat man beim Spaziergang sonst nicht unter Kontrolle.“
Diese Behauptung wird vor allem dann aufgestellt, wenn er an der Leine zieht. Doch genau hier ist es wichtig, sich den Ursachen des Problems zuzuwenden und diese zu beheben und nicht an der Symptomatik herumzubasteln. Im Training soll somit vorrangig daran gearbeitet werden, dass es gar nicht so weit kommt, dass der Hund stark zieht. Das Zerren an der Leine sollte darüber hinaus nicht symptomatisch durch das Hinzufügen von Schmerzen bestraft werden. Es muss an der Ursache des Problems angesetzt und somit an der Leinenführigkeit gearbeitet werden. Tierschutzkonformes, modernes Training bedeutet nicht, dem Hund für das zu bestrafen, was er nicht tun soll, sondern ihm zu zeigen, was er stattdessen tun soll. Wenn er nicht ziehen, bellen oder zerren soll, WAS soll der Hund stattdessen für ein alternatives Verhalten zeigen? Die Definition des Ziels bedeutet somit nicht „der Hund soll nicht ziehen“, sondern „der Hund soll (neben mir) an der lockeren Leine gehen“. Genau das sollte man dem Hund auch verständlich und mit positiven Trainingsmethoden beibringen. Bei richtigem Training kann ich auch bei einem Brustgeschirr angemessene Kontrolle und Führung ausüben.

Behauptung 4: „Wenn ich ein Würgehalsband verwende, kann ich ihn kontrolliert und gezielt von einem anderen Hund wegziehen und auf mich ablenken.“
Mit Zwang den Körper in meine Richtung zu lenken und seinen Kopf zu drehen bedeutet noch lange nicht, dass der Hund auch auf mich aufmerksam ist. Wie oben schon beschrieben, sollte man auch hier an der Ursache ansetzen. Ein schrittweise aufgebautes und erlerntes Abrufsignal in Kombination mit eingeübten Aufmerksamkeitsübungen ersetzen die Notwendigkeit, den Hund überhaupt zu mir ziehen zu müssen.

Wenn kein Würgehalsband – was soll ich dann verwenden?
Auch ein gängiges, „normales“ Halsband, welches keine Würgefunktion besitzt, kann beim Ziehen an der Leine für Hunde sehr unangenehm oder schmerzhaft sein. Des Weiteren macht es ein Halsband dem Hund schwerer, mit Artgenossen angemessen zu kommunizieren. Bei gespannter Leine schafft es der Hund beispielsweise nicht, seinen Kopf zu senken, um beschwichtigen zu können. Vorzugsweise solltest du daher ein passendes (!) Brustgeschirr verwenden. Bei einem Geschirr verteilt sich der Druck beim Ziehen auf eine weitaus größere Fläche. Doch Vorsicht ist geboten! Im Einzelhandel findet man auch sogenannte „Erziehungsgeschirre“, welche den handelsüblichen Brustgeschirren ähnlich sehen. Im Zweifelsfall erkundigt euch einfach bei professionellen HundetrainerInnen bzw. TierärztInnen.

Mag.a Doris HochenhauserBRUSTGESCHIRR vs. WÜRGEHALSBAND

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