Hilfe, mein Hund knurrt! Und jetzt?

Allgemein wichtig zu erwähnen ist, dass Knurren eine Art von Kommunikation ist. Der Hund zeigt uns damit, dass er etwas nicht will. Wenn der Hund uns anknurrt, ist dies jedoch meist ein Verhalten, das wir nicht wollen.

Der Hund kann dir nicht in Worten sagen, dass ihm eine Situation unangenehm ist. Er kommuniziert auf seine eigene, hündische Art und Weise. Mit Knurren verdeutlicht er, dass er seine Ruhe haben und aus der Situation heraus will. Er will Abstand vom Stressauslöser. Er fühlt sich nicht wohl und empfindet den momentanen Stress als bedrohlich. Dazu zählt beispielsweise ein anderer Hund, der ihm zu nahe kommt. Ein fremder Mensch, der frontal auf ihn zugeht. Ein stürmisches Kind, das vorbeiläuft. Der Besitzer, der ihm die Krallen schneiden oder das Fell kürzen möchte. Es gibt noch unzählige Situationen und Stressoren. Aber wie soll man nun darauf reagieren?

Bitte mache Folgendes NICHT:

Schimpfen

Niemals solltest du versuchen, das Knurren zu unterbinden, indem du zustäzlich bedrohlich reagierst und ihn zum Beispiel für sein Verhalten schimpfst. Der Hund lernt damit, dass er nicht knurren darf. Schlussfolgernd „darf“ er weiterhin nicht mehr mit Knurren zeigen, dass er etwas nicht will. Es kann nun passieren, dass er nächstes Mal das Knurren überspringt, da er dafür bestraft wurde und beispielsweise gleich her schnappen oder zwicken wird. „Wenn das Knurren nicht funktioniert, muss ich es eben anders oder noch deutlicher zeigen.“ werden die Gedanken deines Hundes sein. Der Hund befindet sich darüber hinaus schon in einer sehr stressigen Situation. Wenn du ihn dafür noch zusätzlich bestrafst, wird er in weiterer Folge noch heftiger auf den Stressor reagieren, da die Situation für ihn noch negativer ist, als sie vorher schon war. Das gleiche gilt natürlich auch für Schreckreize und den Versuch, den Hund in Angst zu versetzen. Die Situationen werden nicht besser, sondern schlimmer.

Ignorieren

Du solltest es auch nicht ignorieren, wenn dein Hund knurrt. Er möchte auf seine Sprache zeigen, dass er etwas sehr unangenehm empfindet. Dein Hund wird in darauffolgenden Situationen auch keine passenden Strategien für das Bewältigen der stressigen Situation gelernt haben und somit beim nächsten Mal wieder knurren. Darauf zu warten, dass dein Hund selbstständig einen anderen Weg findet, damit er damit fertig wird, ist keine gute Idee. Die Wahrscheinlichkeit, dass er es von alleine lernt, ist sehr gering.

Weitermachen

Du streichelst deinen Hund, er knurrt dich an und du streichelst einfach weiter. Das Knurren soll für dich eigentlich eine Warnung sein. Er bittet dich, damit aufzuhören und du reagierst nicht. Wenn diese Warnsignale übergangen werden, kann es zu einer heftigen Eskalation kommen. Eine andere typische Situation ist, wenn dein Hund einen anderen Hund anknurrt, aus der Situation fliehen möchte und du einfach weitergehst.

Wie du dich verhalten solltest:

Beobachten

Überprüfe typische stressige, vor allem neue Situationen genau. Zeigt dein Hund schon die ersten Zeichen an Beschwichtigung (Kopf wegdrehen, Zwinkern, Ohren anlegen,…) ist das Knurren nicht mehr weit. Achte auf die Körpersprache deines Hundes und nimm ihn aktiv wahr!

Reagieren

Dein Hund will aus der Situation unbedingt heraus, dann hilf ihm auch dabei! Du trägst die Verantwortung über deinen Hund und er sollte sich auf dich verlassen können. Mache dir klar, welche Auslöser für das Knurren deines Hundes verantwortlich sind und versuche ihn aus dieser Situation erst einmal herauszuholen. Halte also Abstand vom Stressauslöser. Starte dann damit, genau solche Situationen deinem Hund angenehm und erträglich zu machen. Natürlich kannst du versuchen, in Zukunft solche Situationen zu vermeiden. Sollte sich eine Situation nicht vermeiden lassen und du daran trainieren willst, beginne anhand positiver Verstärkung und einem Desensibilisierungsprozess die Situation ins Positive umzulenken.

Cool bleiben

Auch, wenn das Knurren unerwünscht ist und du nicht willst, dass er das tut: sei dankbar dafür, dass dein Hund dir gerade so deutlich zeigt, dass er keine Strategie hat, um mit der derzeitigen Situation umgehen zu können. Atme durch und bleibe cool. Lasse ihn knurren! Korrigiere nicht deinen Hund, sondern die Umgebung. Achte dabei auf deine eigenen Gefühle. Strahlst du Sicherheit aus, wird es dein Hund auch eher sein.

Mag.a Doris HochenhauserHilfe, mein Hund knurrt! Und jetzt?

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